Schlüchtern zählte vor der Machtergreifung der Nazis zu einer Stadt, die überdurchschnittlich viele Juden beherbergte. Hier von zeugen verschiedene Spuren in Schlüchtern so die Synagoge, weitere ehemals vorhandene Gebetsräume –so beispielsweise in Vollmerz -, der Judenfriedhof im Bereich des früheren Heinlein-Geländes, sowie ein weiterer Judenfriedhof auf dem Friedhof in der Fuldaerstraße, so der Fraktionssprecher der Bürgerbewegung Bergwinkel Hans Konrad Neuroth.
Es sei erfreulich, dass zur Reichskristallnacht zumindest der Heimat- und Geschichtsverein und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung die Initiative ergriffen hatten und dieses Thema, was offenbar dem ein oder anderen immer noch unangenehm sei, der eine durch eine Stadtführung der andere durch eine Presseverlautbarung aufgegriffen hatten.

Neuroth wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bürgerbewegung Bergwinkel schon seit fast einem Jahr auf die nicht hinzunehmenden Zustände im Bereich des Schüchterner Judenfriedhofs aufmerksam gemacht hatte. Erfreulich sei, dass inzwischen ein neuer Zaun angebracht worden sei und man offensichtlich versuche, dem Judenfriedhof wieder eine Gestaltung zukommen zu lassen, die einer solchen Stätte würdig ist.

Zu bedauern sei jedoch, dass die Stadt Schlüchtern keine Veranlassung gesehen habe, zu den Novemberpogromen 1938 angemessene Veranstaltungen durchzuführen.

„Dies sind wir den ehemaligen jüdischen Mitbürgern in Schlüchtern allemal schuldig,“ so der Sprecher der Bürgerbewegung Bergwinkel Hans Konrad Neuroth.
Immerhin konnte der Volkstrauertag 2018 zum Anlass genommen werden, dass der Bürgermeister in seiner Gedenkrede sowohl an die Opfer des ersten Weltkrieges als auch an die Opfer der Judenpogrome mahnend erinnerte.

In Zukunft, so forderte Neuroth erneut, ist eine regelmäßig durchzuführende Veranstaltung in Schlüchtern dringend erforderlich, denn dies sind wir den ermordeten und vertriebenen Schlüchterner Juden schuldig, um die Erinnerung wach – und eine Verbindung zu den Seelen der Opfer aufrecht zu -erhalten! Sowohl hierzu als auch zu einer künftigen Nutzung der Synagoge werde die BBB bei der bevorstehenden Haushaltsberatung entsprechende Vorlagen im Stadtparlament einbringen, so Neuroth. Zu begrüßen sei in diesem Zusammenhang die Antragstellung der Stadtverwaltung zur Anbringung von Stolpersteinen.

Schließlich müsse man Dank und Anerkennung dem hervorragend Engagement von Herrn Ernst Müller Marschhausen zollen, der unermüdlich auf die große ehemalige Schlüchterner Gemeinde der Juden hinweise und durch profunde Führungen nicht nur in Schlüchtern , sondern darüber hinaus die Erinnerung würdig erhalte, so Neuroth.
Jetzt ist es auch an der Zeit, sich um die Zukunft der Synagoge nachhaltige und zielführende Gedanken zu machen, so der Sprecher zum Abschluss.