Geologische Lage: Oberer Buntsandstein – Röttone.  Etwa mit Beginn des Waldes Unterer Muschelkalk, darüber tertiäre Tone und Basalt.

Basalt und Kalk sind ziemlich wasserdurchlässig, die tertiäre Bedeckung und die Rötschichten nur bedingt, was zu Wasserstau und zu wasserführenden Schichten führt.

Mächtigkeit der Röttone lt Doubinger u.Bühmann8 bis zu 105 Meter („Zwei nahezu vollständige Röt-Profile aus Borken (ca. 240 m) und dem Raum Schlüchtern (ca. 105 m) in Hessen wurden anhand von 100 Proben palynologisch und anhand von 446 Proben tonmineralogisch gegliedert.“)

 

Nach Dr. H. Schneider1 baut sich der Obere Buntsandstein in unserer Region wie folgt auf:

Formation Horizont Ungefähre Mächtigkeit Morphologische Wertigkeit
Unterer Muschelkalk Gelber Grenzkalk 1 – 2 m Relativ hart
Oberer Buntsandstein Obere Röttone ca. 30 m Relativ weich
Oberer Buntsandstein Rötquarzit 0,5 – 2 m Sehr hart
Oberer Buntsandstein Untere Röttone ca. 20 – 30 m Relativ weich
Oberer Buntsandstein Grenzquarzit 0 – 0,5 m Sehr hart
Oberer Buntsandstein Plattensandstein ca. 25 m Wechselnd in den Schichten
Oberer Buntsandstein Untere Chirotherienschichten 10 – 25 m Relativ weich
Mittlerer Buntsandstein Felssandstein 10 – 25 m Meist sehr hart

 

Beschreibung des Baugebietes durch Dr. H. Schneider:

„Nach rund 200 m, von der Bundesstraße 40 an gerechnet, fällt uns an der Bergseite (des Brunkenberges, der Verf.) auf, dass die Vegetation des Hanges auf hohe Feuchtigkeit schließen lässt. In der Tat tritt hier an vielen Stellen Wasser aus, das zweifellos der Schichtgrenze Muschelkalk/obere Röttone entstammt und etwa 60 m über uns am Waldrand im Schutt der Rutschungen versickerte. Am ganzen Hang von der ehemaligen Jugendherberge (später Kleiderfabrik, heute vermietet, im Besitz der Firma Schäfer, der Verf.) nach Süden hin bis zum Wald sind die Röttone vielfach mit mehr oder weniger starkem Hangschutt bedeckt. … (Beiderseits) der Straße setzen sich die Fließhänge fort. Die Wülste und Buckel im Röt sind mit abgeschwemmten tertiären Tonen vermischt …“2

Auf einer beigefügten Karte (S. 40) stellt Schneider im Bereich des geplanten Baugebietes mehrere „größere Rutschungen und Schlipfe“ dar.

„… lässt sich sehr schön beobachten, dass die gesamte Bergflanke unterhalb des Waldes keinen einheitlichen Eindruck macht. Hinter der ehemaligen Jugendherberge schiebt sich im Wiesengelände ein Erdwulst gegen das Tal. Links von der alten Hohenzellerstraße folgt eine schmale Einmuldung, die der Weg am Waldrand mitmacht (links der Strommasten, der Verf.) Dann schließt sich erneut eine kräftige Vorwölbung an … Diese Wülste machen uns mit einem Vorgang bekannt, der an den geneigten Hängen im ganzen Kartengebiet eine erhebliche Rolle spielt: ich meine die Rutschungen im Gelände. Es gibt bei uns zwei Schichten, die durch ihre tonige Beschaffenheit darüber liegendes festes Gestein ins Gleiten und Abstürzen bringen können: die Röttone des Oberen Buntsandsteins und die tonigen Schichten des Tertiärs, die an vielen Stellen die Unterlage des Basalts bilden. Die Böden sind dann ständig in Bewegung.“1 (S. 33-34)

Des Weiteren schreibt Dr. Schneider4
„Das Gebiet von Schlüchtern ist nicht nur morphologisch gesehen ein Talkessel. Eine Schichtenlagerungskarte für die Grenze Buntsandstein/Muschelkalk zeigt deutlich, dass wir es zugleich mit einer geologischen Mulde zu tun haben, d.h. die Neigung der Schichten zum tiefsten Punkt entspricht ziemlich genau der Oberflächenform. … Die Ergebnisse von Schürfungen in der Nähe des Städtchens und Beobachtungen an verschiedenen Ausschachtungen lassen jedoch kaum einen Zweifel, dass die Absenkung des Schlüchterner Beckens … bis in die Gegenwart anhält.“ (S. 378–379)
Gegebenheiten:

Der Hang besteht im Untergrund aus unterschiedlichen Tonschichten, zwischen denen sich härtere Quarzite und wasserführende Schichten befinden. Von oben kommt der Bergdruck durch die aufliegenden Muschelkalkbänke, die tonigen tertiären Deckschichten sowie die Reste der tertiären Basaltdecke. Dies und die tonige Beschaffenheit führt seit langer Zeit dazu, dass der Hang zu Rutschungen neigt und wandert. Entsprechende Bodenwellen sind im oberen Bereich des Hanges zu sehen, im unteren Bereich hat der bewirtschaftende Landwirt diese vor einigen Jahren mit dem Schaufellader planiert bzw. so glattgeschoben, dass er dort mähen kann. Der von unten aus gesehen rechte Teil des Hanges, links neben der „Alten Hohenzeller Straße“ ist feucht und enthält mindestens eine Schichtquelle, die vor vielen Jahren mit einer Verrohrung zum neben der Wiese verlaufenden Graben entwässert werden sollte. Dies gelingt nur teilweise, im Sommer leicht an der Feuchtwiesenvegetation zu erkennen, die sich am Ort der Quelle und im Verlauf der Verrohrung befindet. Dieser Bereich des Hanges hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Die in diesem Bereich früher schon etwas steilere Hangneigung (Schlittenbahn der hiesigen Kinder in den 60er, 70er und 80er Jahren) hat sich verstärkt und stellt sich nun als kurzer steiler Abhang mit einer fast ebenen Auslauffläche dar, die dann wieder in eine leichte Neigung übergeht. Hier dürften die Auswirkungen der unterschiedlichen Wasser- und Tonschichten besonders deutlich werden. Was dies baugrundtechnisch zu bedeuten hat, können Fachleute dieser Richtung besser beurteilen. Dieses Hangstück weicht deutlich von der Beschreibung des Hr. Dr. Schneider ab, zur Zeit seiner Aufzeichnungen war dieses Hangstück noch relativ unauffällig geformt.

Schneider beschreibt auch bautechnische Probleme im Zusammenhang mit dem Bahnbau Frankfurt-Bebra3. Die damals aufgetretenen Probleme (Quasi-Verflüssigung des Hanges, massive Rutschungen und drohende Zerstörung der neuen Bahntrasse führt er auf die Ausschachtungen und die damit verbundene Verletzung des labilen Geländes mit seinem Bewuchs zurück. Diese Schäden und Bedrohungen konnten damals nur mit einem enormen finanziellen und personellen Aufwand eingegrenzt bzw. behoben werden, Hangbewegungen aufgrund des Bergdrucks waren jedoch weiterhin beobachtbar. Ein Kontrollhäuschen am damals vorhandenen schienengleichen Bahnübergang zum Acisbrunnen wurde abgerissen, da die Wände deutlich aus dem Lot geraten waren. Ähnlich gelagerte Probleme beschreibt Schneider auch bei den Bauarbeiten für das Forstamt2, damals geplant zwischen Steinau und Schlüchtern etwa 500 m nordwestlich von Niederzell, wo es zu ähnlichen Problemen kam und die Bauarbeiten dann eingestellt werden mussten, woraufhin die Bauten in Schlüchtern realisiert wurden.

Wenn die Aussage richtig ist, dass die Morphologie des Geländes mit der Schichtneigung einigermaßen übereinstimmt, sind die Verhältnisse auf der nordwestlichen Seite der Stadt mit denen am Brunkenberg vergleichbar. So muss aus geologischer Sicht auch hier auf jeden Fall damit gerechnet werden, dass sich der Hang weiterbewegt und dies, wenn überhaupt, nur mit aufwändigen Mitteln aufgehalten werden kann. Dauerhaft besteht aus Sicht des Verfassers die Gefahr, dass dort gebauten Häusern ernsthafte Schäden drohen.

Die für Bauherren hier entstehenden Kosten für Vorbeugung und eventuelle Folgeschäden sollten genau untersucht und transparent gemacht werden.

 

Literatur:

  1. Hans Schneider: Geologische Exkursionen in die Umgebung von Schlüchtern. In UvH-Schule: Jahrbuch 1966, S. 28 – 41
  2. Hans Schneider: Geologische Exkursionen in die Umgebung von Schlüchtern. In UvH-Schule: Jahrbuch 1967 S. 39 – 49
  3. H. Schneider: Geologische Exkursionen in die Umgebung von Schlüchtern. In UvH-Schule: Jahrbuch 1968 S. 16 – 30
  4. Hans Schneider: Hinweise für geologische Wanderungen im Buntsandstein von Spessart und Odenwald. Sonderdruck aus NATUR UND MUSEUM. Bericht der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt am Main, Band 96, Heft 8 und 9, Frankfurt/M 01.09.1966
  5. Matthes/Okrusch: Spessart. Sammlung geologischer Führer Band 44, Bornträger 1965
  6. Hans Schneider: Geomorphologische Probleme in der Umgebung von Schlüchtern. UvH-Schule Jahrbücher 1960, 1961, 1962
  7. Arbeitsausschuss Buntsandstein der Geologischen Landesämter: Richtlinien zur Gliederung des westdeutschen Buntsandsteins. Geologisches Jahrbuch A 25, S. 123 – 125, Hannover 1974
  8. Doubinger, Jeanne; Bühmann, Dieter: The Röt from Borken and from Schlüchtern (Hesse, Germany) Palynology and clay mineralogy. Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 132 (1981), p. 421 – 449

 

 

Weitere Probleme:

Die Strommasten der Hochspannungsleitung liegen sehr nah am Baugebiet (ca 80 Meter von den derzeitigen Grundstücksgrenzen), dazu kommt der Sendemast am Waldrand. Die aus diesen beiden Quellen entstehende Strahlung muss gemessen und mit den bestehenden Grenzwerten abgeglichen werden. In der benachbarten Siedlung Alte Hohenzeller Straße wurde bei einem Bauprojekt ein hohes Maß an Strahlung gemessen, die Wohnung wurde aufwändig mit speziellen Wandbeschichtungen abgeschirmt.

Bei einer Bürgerversammlung, zu der die BBB eingeladen hatte, wurde von einem Anwohner erwähnt, dass der bewirtschaftende Landwirt auf der Wiese bei dem Funkmast keine trächtigen Muttertiere mehr weiden ließe, da es vermehrt zu Totgeburten gekommen sei. Dies sollte unbedingt überprüft werden.
Etliche Anwohner berichteten von eindringender Feuchtigkeit durch die Kellerwände, dies scheint sowohl im Bergwinkelweg wie auch im Hopfenacker eher die Regel zu sein (auch beim Verfasser sichtbar).

 

Von dem auf halber Höhe rechts neben der Alten Hohenzeller Straße befindlichen  Gaskontrollhäuschen wurde bei der Verlegung der Gasleitung ein Erdungskabel oder Ähnliches ca 50 bis 100 m nach links in die Wiese (Baugebiet) gelegt. Dabei wurde damals auch die oben genannte Verrohrung der Quelle durchschnitten, was in der Folge zu einer noch weiter verstärkten Durchfeuchtung der abwärts liegenden Wiese führte. Bei Tauwetter konnte der Boden noch weniger Wasser aufnehmen als in den Jahren davor und so schoss noch häufiger als in den Vorjahren ein Tauwasserbach durch die abwärts liegenden, nach oben nicht mit einem Mäuerchen abgesicherten Grundstücke, insbesondere betroffen waren Bergwinkelweg 27 und 25, wobei es teilweise zu Überflutungen der Keller kam. Bei starken oder längeren Regenfällen war der Boden ebenfalls nicht mehr aufnahmefähig, was bis heute zu einer feuchten bis nassen Oberfläche führt, die wegen der darunter liegenden Tonschichten wohl hauptsächlich durch Verdunstung trocknet.

Martin Darmstadt, Diplom-Geologe

Schlüchtern, den 07.01.2016

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Möglicherweise bedeutsame weiterführende Literatur:

Bohrpunktkarte von Hessen (BPK 10)
Blatt 5623sw: Schluechtern  Blattschnitt: TK10
G2 Geologische Belange der Landesplanung, Georisiken.
aktuelle Ausgabe Verfügbar als Karte plano/gefaltet, PDF.